Montag, 1. September 2008

Zwischen den Stühlen

Es ist nicht leicht sich abzunabeln.

Einerseits freut man sich darauf, fern von den teils nervenden Geschwisten endlich ein eigenes Reich zu haben, indem man tun und lassen kann, was man möchte. Außerdem reizt mich und meinen Schatz der Gedanke, nicht jeden Abend gezwungen lange aufzubleiben, um wenigstens noch ein Bisschen was voneinander zu haben. Das Thema "Auszug aus dem gemachten Nest" ist in letzter Zeit immer aktueller geworden.

Andererseits plagt einen das schlechte Gewissen. Schließlich haben sich die Eltern 18 Jahre lang liebevoll um einen gekümmert, einem nahezu jeden Wunsch erfüllt und viel Zeit geopfert, um einem gerecht zu werden. Man kann sich viel vornehmen, doch am Ende wird man bei weitem nicht mehr soviel Zeit miteinander verbringen, wie man es in der Kindheit getan hat.

Man selbst hat zwischen den Stühlen nie genug Zeit. Weder für die Eltern, noch für den Freund oder sich selbst. Man ist viel zu sehr beschäftigt mit dem hin und her Pendeln zwischen den 2 "Wohnsitzen" und den Überlegungen, wie man alles finanziell und glücklich meistern kann.
Das schlechte Gewissen funkt einem immer dazwischen, sobald man eine Entscheidung getroffen hat. Entweder glaubt man, die Eltern zu vernachlässigen oder zu enttäuschen, oder sich selbst in all dem Chaos zurückzustellen.
Meistens führt das schlechte Gefühl nur dazu, dass man versucht alles gleichzeitig zu machen und das leider nur halb.
Man will Schwarz und Weiß, doch versinkt in einem unbefriedigendem Grau dazwischen.

Am Ende des Tages hat man sich immernoch nicht entschieden und ist knatschig darüber, dass es einfach keine optimale Lösung geben will.

Vielleicht bin ich ja nur zu ungeduldig - immer wenn mir etwas in den Sinn kommt möchte ich es haben - und zwar sofort. Vielleicht regelt sich alles von allein, wenn ich nur etwas Geduld habe.
Andererseits kann ich den Gedanken nicht ausstehen, dass ich nicht alles im Griff habe.
Ich möchte ja alles unter einen Hut bringen und es wurmt mich zusehens, dass es nicht gelingen will.
Das blöde daran ist, dass diese Grauzonen-Zeiten immer kräfteraubend und unbefriedigend sind für alle Beteiligten.
Am Ende wird es eh das Eine oder das Andere sein - es fällt nur so schwer das anzunehmen.

1 Kommentar:

Anna hat gesagt…

Grauzonen sind unbefridigend. Aber auch wenn solche Entscheidungen echt extrem schwer fallen: Am Ende tut es beiden Partein gut und man gewöhnt sich an die neue Lebensart. Und jetzt ist nunmal die Zeit, sich für das zu entschieden was man selbst will im Leben und was einen glücklich macht, auch langristig gesehen. Wir sind nun mal jetzt mit ausm Nestfliegen dran, das ist halt so.
Viel Weisheit, dass wünsch ich dir.